Hafturlaub in den Horror: Der Fall Werner Kniesek
Shownotes
Ein verurteilter Straftäter bekommt kurz vor seiner geplanten Entlassung Hafturlaub, offiziell zur Resozialisierung, doch wenige Stunden später wird daraus einer der grausamsten Mordfälle der österreichischen Kriminalgeschichte.
Der Fall Werner Kniesek erzählt von einer fatalen Fehleinschätzung, Warnzeichen, die niemand ernst genug nahm, und der quälenden Frage: Wie konnte dieser Mann überhaupt freikommen?
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Transkript anzeigen
00:00:05: Am Morgen des fünfzehnten Januar, die Gefängnestür der Justizanstalt Gasten in Bezirk Steierland ist ein Schritt in Richtung Resozialisierung.
00:00:19: Doch dieser Schritt wird eine landesweite Debatte über den Umgang mit verurteilten Straftätern auslösen.
00:00:26: Denn der Hafturlaub, der an diesem kalten Wintermorgen beginnt endet kurz darauf in einem Verbrechen Das bis heute als einer der entsetzlichsten Mordfälle der österreichischen Kriminalgeschichte gilt.
00:00:42: Der Mann, der gerade die Mauern des Gefängnisses hinter sich lässt steht nur wenige Wochen vor seiner geplanten Entlassung.
00:00:50: Nun er hätte drei Tage Freigang Hafturlaub damit er sich Arbeit suchen kann.
00:00:55: was mit einer Autofahrt und einigen Besorgungen beginnt endet in einer ihm fremden Kleinstadt.
00:01:02: dort gerät ein Einfamilienhaus in sein Visier und eine Familie, die er nie zuvor gesehen hat.
00:01:08: Er lebt die letzte Nacht ihres
00:01:10: Lebens.".
00:01:12: Die Zeitung der Kurier wird ihn später den Dämon von Sankt Pölten nennen.
00:01:18: Und damit willkommen zu Tartor Deutschland!
00:01:21: Mein Name ist Mirko Kazimir...
00:01:23: ...und ich bin Farina Kirmse.
00:01:24: Schön dass ihr wieder eingeschaltet habt.
00:01:42: In der Vergangenheit hat er verurteilte, der nun im Hafturlaub zum ersten Mal seit langem Wiederfreiheit erlebt, Briefe an einem Psychiater geschrieben.
00:01:51: Darin bittet er um professionelle Hilfe.
00:01:53: Er habe Angst vor sich selbst, schreibt er.
00:01:56: Er höre Stimmen die ihm sagen, er müsse
00:01:58: töten.
00:02:00: Später beschreibt er diesen Drang einmal mit den folgenden Worten.
00:02:04: Starke Kopfschmerzen im Stirnbereich Gelber Scheinen vor den Augen Der immer Greller wurde Und eine Stimme in mir sagt Ich muss jemanden langsam qualvoll töten.
00:02:16: Meine zweite Stimme sagt, nein!
00:02:21: Doch diese zweite Stimmel wird sich nicht durchsetzen.
00:02:24: Der Kriminalbeamte Franz Schweiköfer der damals an dem Fall arbeitet, sagt rückblickend darüber... Das war sicher das Ärgste in meiner Karriere und der damalige Staatsanwalt Dr.
00:02:36: Peter Lanzrat erinnert sich?
00:02:38: Das war eine unvorstellbare Tat.
00:02:45: Statt die bevorstehende Entlassung vorzubereiten und Erledigungen für sein neues Leben in Freiheit zu machen, hat der Heftling Werner Kniesäck an diesem Wintertag etwas anderes im Sinn.
00:02:56: Zunächst fährt er nach Wien – am Nachmittag weiter nach St.
00:02:59: Pölten etwa eine Autostunde westlich der österreichischen Hauptstadt.
00:03:04: Dort steigt er gegen fünfzehn Uhr in ein Taxi und lässt sich in ein gutbürgerliches Wohnviertel bringen.
00:03:09: Er gibt sich als Teppichverkäufer aus.
00:03:12: Bei sich trägt er eine schwarze Akkentasche.
00:03:14: Am Kupfer Brunnenberg steigt er aus.
00:03:18: Warum seine Wahl, ausgerechnet auf Sandpöltenfeld bleibt selbst später unklar?
00:03:25: Bei seiner Vernehmung erklärt Werner Knisec, erkenne dort niemanden und sei mit der Stadt auch nicht vertraut.
00:03:34: Kniseck zieht durch die Straßen und klingelt an Haustüren.
00:03:37: An einem Haus öffnet ihm eine ältere Dame.
00:03:40: Aber sie ist nicht allein.
00:03:41: Sie hat einen Hund, der ihn nicht von der Seite weicht.
00:03:45: Das schreckt Knisek ab.
00:03:46: Er redet sich heraus, behauptet er habe sich geirrt und geht wieder.
00:03:50: Später wird sich die Frau an den Mann erinnern – an seinen dunkelgrauen Mantel, an den schwarzen Aktenkoffer und an sein gepflegtes Erscheinungsbild.
00:04:00: In der Fuchsenkellerstraße in Sankt-Pölten lebt Familie Altreiter in einem großen Einfamilienhaus Die fünfundfünfzigjährige Witwe Gertrude Altreiter, ihre vierundzwanzigjährige Tochter Ingrid, ihr sechsundzwansichjähriger Sohn Walter sowie die einundzw zwanzigjährige Untermieterin Gabriele Wehe.
00:04:18: Mutter, Tochter und Sohn haben ein enges Verhältnis.
00:04:22: Der Vater der Familie ist bereits Jahre zuvor an einem Herzinfarkt gestorben.
00:04:28: Vor dem Haus warnt ein Schild vor einem bissigen Hund.
00:04:31: Die Häusern dagegen stehen damals noch weit auseinander.
00:04:34: hinter dem Grundstück beginnen Felder.
00:04:36: Doch an diesem Nachmittag schlägt kein Hund an, als sich ein Fremder nähert.
00:04:42: Das Tier der Familie wurde erst kurz zuvor eingeschleffert.
00:04:46: Während Mutter und Tochter an diesem Januar-Tag noch unterwegs sind, geht Knisek am Haus vorbei.
00:04:52: Genau in diesen Moment blickt Walter Altreiter aus einem Fenster im ersten Stock und winkt.
00:04:58: Der ist seit seiner Geburt Intelligenz gemindert.
00:05:04: Knisek schaut sich um, winkt dem jungen Mann zurück und betritt dann das Grundstück.
00:05:09: Auf der Rückseite des Hauses von der Straße aus nicht einsehbar entdeckt er eine Möglichkeit einzudringen.
00:05:17: Er schlägt einen Fenster ein und steigt in das Haus ein.
00:05:22: Der völlig verängstigte Walter wird von Kniseck gefesselt.
00:05:26: Anschließend misshandelt er ihn schwer.
00:05:29: Immer wieder wirkt er den jungen mann.
00:05:32: So erfährt Kniesheck, dass auch dessen Mutter und Schwester in dem Haus leben.
00:05:36: Und im Laufe des Nachmittags zurückkehren werden.
00:05:40: Als sich gegen um die Uhr die Haustür öffnet, erwartet er Getrude Altreiter bereits mit gezückter Pistole.
00:05:46: In Wien hatte er sich zuvor eine Schreckschusspistole Klebeband- und Mulbinden besorgt... ...und alles in seinem schwarzen Aktenkoffer verstaut.
00:05:55: Er überwältigt die fünfundfünfzigjährige, fesselt sie und bringt sie ins Wohnzimmer.
00:06:00: Gegen achtzehn Uhr kehrt auch Tochter Ingrid von der Uni nach Hause zurück.
00:06:04: Auch sie gerät in seine Gewalt.
00:06:08: Zunächst geht Gertrude Altreiter von einem Raubüberfall aus, sie fleht den Unbekannten an Sie und ihre Kinder zu verschonen.
00:06:14: Geld, Schmuck – er könne alles haben.
00:06:17: Sogar ein Check stellt sie ihm aus.
00:06:19: Doch darum scheint es Kniesheck nicht zu gehen.
00:06:22: Den Check nimmt er erst ganz am
00:06:23: Ende an sich.
00:06:29: Am nächsten Morgen sitzt Knisek im rund zehn Kilometer entfernten Karlstetten im Gasthaus Lind beim Frühstück.
00:06:35: Was niemandem Gasthäus ahnt, wenige Stunden zuvor hat sich in einem Haus in Sankt-Pölten Unvollstellbares abgespielt.
00:06:44: Doch sein Verhalten fällt auf.
00:06:46: Kniseck trägt beim Essen schwarze Handschuhe und er wirkt nervös.
00:06:50: Als er bezahlt, holte ein dickes Geldbündel aus seinem Aktenkoffer.
00:06:55: Anschließend erkundigt er sich nach dem Weg zur Autobahn und betont dabei ausdrücklich, auf keinen Fall über St.
00:07:01: Pölten fahren zu wollen.
00:07:03: Dem Kellner kommt das merkwürdig vor – denn der Mercedes des Gastes trägt einen St.-Pölten-Erkennzeichen.
00:07:10: Er magt sich die Nummer und informiert die Polizei.
00:07:13: Kurz darauf wird der Wagen zur Fahndung ausgeschrieben.
00:07:17: Die Polizei kann rasch ermitteln dass der Mercedes auf getrude Altreiter zugelassen ist.
00:07:23: Die Ermittler fahren zur Adresse der Familie in der Fuchsenkellerstraße.
00:07:27: Zunächst beobachten sie das Haus, doch mit jeder Stunde wächst das ungute
00:07:32: Gefühl.
00:07:33: Die Chalosien sind heruntergelassen – niemand öffnet die Tür!
00:07:37: Auch die Nachbarn werden zunehmend unruhig.
00:07:40: Walter Altreiter ist normalerweise immer zu Hause.
00:07:43: Dass sich dort überhaupt nichts regt erscheint ihn
00:07:46: ungewöhnlich.
00:07:48: Kriminalinspektor Franz Schweighörfer kennt die Familie persönlich.
00:07:53: Für ihn ist klar, irgendetwas stimmt hier nicht.
00:07:57: Dann entdeckt er ein eingeschlagenes Fenster.
00:08:00: Mithilfe einer Leiter gelangt er ins Haus.
00:08:02: Drinnen bietet sich zunächst ein irritierendes Bild.
00:08:06: Alles wirkt ordentlich bei einer Penibel aufgeräumt.
00:08:09: Keine Spur eines Kampfes, keine Spur von Chaos!
00:08:13: Doch von Gertrude, Ingrid und Walter Altreiter fehlt jede Spur.
00:08:19: Dem Beamten kommt die Situation merkwürdig vor... Doch er und seine Kollegen tappen zunächst im Dunkeln.
00:08:26: Gleichzeitig können sie nicht ausschließen, dass der Täter zurückkehrt.
00:08:30: Deshalb wird das Haus auch in der Nacht weiter observiert.
00:08:35: Einer der Beamten erinnert sich später an die angespannten Stunden.
00:08:39: Er sagt ... Doch noch in derselben Nacht erhalten die Ermittler einen Anruf.
00:08:56: Sie können den Einsatz abbrechen, das Auto der Familie wurde ins Salzburg gefunden.
00:09:04: Was sich in dieser Nacht im Haus der Familie Altreiter abspielt ist kein Raubüberfall.
00:09:10: Es geht kniesig weder um Bargeld noch um Schmuck, den ausgestellten Check oder das Auto von der Familie.
00:09:16: Die Ermittlern kommen später zu dem Schluss, dass all das für ihnen nur eine Nebenrolle spielt.
00:09:21: Besonders Tochter Ingrid wird zum Ziel seiner Gewalt.
00:09:25: Er misshandelt und foltert die junge Frau über Stunden.
00:09:29: Die Details sind so grausam, dass viele von ihnen selbst Jahrzehnte später nur schwer zu ertragen sind.
00:09:36: Im Mittelpunkt steht für Kniesek nichts anderes als das Leid seiner Opfer.
00:09:42: Wir erinnern uns an die Worte mit denen er seinen inneren Drang selbst beschreibt.
00:09:48: Ich muss jemand langsam, qualvoll töten.
00:09:54: Genau diesem Drang folgt er in jener
00:09:56: Nacht.
00:09:59: Ich habe den Frauen gleich gesagt, dass ich alle drei töten werde.
00:10:03: Sagt Kniesig später am Verhör.
00:10:05: eine Aussage die kaum zu begreifen ist.
00:10:08: Die meisten Täter versuchen ihre Opfer zu beruhigen sie in Sicherheit zu wiegen oder ihre wahren Absichten zu verschleiern.
00:10:15: Kniesik tut das Gegenteil erkündigt an was er vorhat.
00:10:19: Während der Tochter Ingrid immer wieder misshandelt lässt er die Mutter zunächst körperlich weitgehend unbehelligt.
00:10:27: Auf die Frage, warum er sie nicht ebenfalls misshandelt habe, gibt er später zu Protokoll.
00:10:32: Weil sie durch Ansehen der Tochter seelisch mehr leidet?
00:10:38: Dass ihr seine Drohungen ernst meint, demonstriert er wenig später am Haustier der Familie.
00:10:44: Vor den Augen der Gefesselten tötet ihr die Angorakatze.
00:10:49: Später erklärt er, die Familie habe sehen sollen wie qualvoll sterben sein könne.
00:10:56: Gertrude Altreiter ist herzkrank.
00:10:59: Irgendwann droht sie das Bewusstsein zu verlieren.
00:11:01: Doch Kniesig will das verhindern, nicht etwas Mitgefühl sondern aus einem anderen Grund.
00:11:07: Er erlaubt Ingrid ihrer Mutter die notwendigen Medikamente zu geben.
00:11:12: Später sagte dazu ... Ich wollte dass ich diese Frau weiterhin quälen kann.
00:11:17: Dass sie nicht eines plötzlichen Schocktour des stirbt!
00:11:22: Getruder Altreiter muss in dieser Nacht mit ansehen wie der Täter ihre Kinder immer weiter misshandelt.
00:11:28: Zwischen den Gewalthalten legte er immer wieder Pausen ein.
00:11:31: Am späten Abend tötete er schließlich Walter mit einem Kabel, Mutter und Schwester werden gezwungen alles mit anzusehen.
00:11:40: Sein Motiv beschreibt Kniesig später mit den Worten Ich habe ihn deswegen umgebracht weil ich damit die Frauen treffen konnte Und weiter sagt er Ich fand an diesem Anblick vor allem auch an jenem der Frauen die ich als zu sehr genötigt hatte gefallen.
00:12:10: Ingrid darf den Anruf entgegennehmen.
00:12:12: Am anderen Ende der Leitung ist ihr Verlobter, das Gespräch dauert nur wenige Augenblicke.
00:12:18: Ingrid gibt keinen Hinweis darauf was sich in diesem Moment im Haus abspielt.
00:12:23: Ihr Verlopter wundert sich zwar über ihre knappen Antworten, schöpft aber kein Verdacht!
00:12:28: Vielleicht hofft Ingrid noch immer dass sie überlebt wenn sie den Anweisung des Täters folgt?
00:12:33: Doch kniesäck setzt die Misshandlung fort.
00:12:36: Immer wieder drückt er brennende Zigaretten auf ihrer Haut aus Und zwischendurch legt er immer wieder eine Pause ein.
00:12:44: Er lässt sich von Ingrid Kaffee kochen, und dann geht die Gewalt weiter.
00:12:49: Gegen zwei Uhr morgens tötet er Gertrude Altreiter vor den Augen ihrer Tochter.
00:12:55: Für Ingrid ist sie Tortur damit noch nicht vorbei.
00:12:58: Kniesek bringt die Studentin in den Keller des Hauses.
00:13:01: Dort zwingt er sie, sich auszuziehen und festlet sie an Heizungsrohre.
00:13:05: Zu sexuellen Übergriffen kommt es nicht – doch über weitere Stunden gewählt er die junge Frau Brutal und setzt sie Misshandlungen
00:13:14: vor Ort.
00:13:24: Werner Knie-Sex soll dreizehn Jahre alt gewesen sein, als er mit einer viel älteren Frau in Team wird.
00:13:30: Zwei Jahre geht diese Beziehung.
00:13:33: Es ist eine bekannte seiner Mutter – eine Beziehungen, die auf sadistischer Basis beruht.
00:13:39: Denn die Frau verlangt von ihm, sie mit Stricken und Peitschen zu schlagen.
00:13:44: Irgendwann findet er gefallen daran... Gegen fünf Uhr morgens endet auch für Ingrid der Kampf ums Überleben.
00:13:55: Rund zwölf Stunden lang war die Studentin dem Täter ausgeliefert, später werden selbst Erfahrene-Ermittler sagen das Ausmaß der Misshandlungen sei kaum zu beschreiben gewesen.
00:14:06: Doch was danach geschieht erscheint fast ebenso verstörend.
00:14:10: Kniesek verlässt nicht etwa das Haus stattdessen legt er sich zwischen die Leichen und schläft einige Stunden.
00:14:17: erst am Morgen beginnt er das Haus sorgfältig zu reinigen.
00:14:25: Zu Beginn haben wir vier Menschen erwähnt, die damals in einem Haus in der Fuchsenkeller Straße leben.
00:14:31: Doch unter den Opfern fehlte eine dieser Personen – die einundzwanzigjährige Untermieterin Gabriele Wehe.
00:14:39: Sie überlebten nur durch einen Zufall denn für diesen Tag hat sie ihren Dienst mit einem Kollegen getauscht und ist deshalb nicht zu Hause.
00:14:47: Eine Entscheidung, die ihr das Leben gerettet habt!
00:14:51: Im Anschluss an seine Säuberungsaktion hieft Knisek die drei Leichen mithilfe des Rollstuhls in den Mercedes der Familie.
00:14:59: Auch die tote Katze lädt er in den Wagen.
00:15:02: Gegen acht Uhr morgens verlässt er das Haus, mit dem Mercedes fährt er zunächst nach Karlstetten wo ihr im Landgasthaus Lind früh stückt.
00:15:12: Zu diesem Zeitpunkt scheint für Kniseck noch alles nach Plan zu laufen.
00:15:15: Wenige Stunden später will er nach Graz zurückkehren und sich vom Hafturlaub zurückmelden.
00:15:20: Wäre ihm das gelungen, hätte zunächst kaum jemand einen Verdacht gegen ihn geschöpft.
00:15:25: Nur wenige Wochen später hätte seine endgötige Entlassung bevorgestanden.
00:15:31: Doch inzwischen ist die Polizei bereits auf der Spur des Mercedes.
00:15:34: Am Abend gegen dreiundzwanzig und dreißig finden die Salzburger Kollegen das gesuchte Auto am
00:15:39: Hauptbahnhof.
00:15:40: Dabei fällt ihnen etwas auf – Das Fahrzeug hängt ungewöhnlich tief!
00:15:45: Als kniesig zum Wagen zurückkehrt kontrollieren ihn die Polizisten und öffnen den Kofferraum.
00:15:51: Zunächst stoßen sie auf mehrere Decken.
00:15:53: Darunter liegen die Leichen von Gertrude, Ingrid und Walter Altreiter – daneben die tote Katze der Familie.
00:16:02: Kniesseck wird noch vor Ort festgenommen.
00:16:08: Bereits wenige Stunden danach legte ein umfassendes Geständnis ab.
00:16:12: Er schildert die Tat detailliert und mit bemerkenswerter Präzision.
00:16:17: Ermittler berichten später die Schilderungen seien so belastend gewesen, dass einige von ihnen körperlich darauf reagiert hätten.
00:16:25: Wenig später kommt es zu einer Tatortbegehung mit einer Untersuchungsrichterin.
00:16:30: Das öffentliche Interesse daran ist enorm!
00:16:33: Die Nachricht der Tat hat sich längst im ganzen Land verbreitet – die Stimmung in Sankt Pölten ist aufgeheizt.
00:16:40: Unter großem Polizeiaufgebot wird Kniesek zum Haus der Familie Altreiter gebracht.
00:16:45: Dort zeigt er Schritt für Schritt, wie er vorgegangen ist und wie die Tat abgelaufen ist.
00:16:52: Gleichzeitig erklärt er, dass er jederzeit wieder so handeln würde.
00:16:57: Außerdem gibt Knisek Einblicke in die Auswahl des Hauses.
00:17:01: Nach seinen Aussagen hätte er niemals sein Mehrfamilienhaus oder Hochhaus ausgewählt.
00:17:07: Stattdessen habe er bewusst ein abgelegenes Einfamilenhaus gesucht.
00:17:11: Er sagt ...
00:17:23: Ja, das ist ein Satz der aufheuchten Lest.
00:17:27: Denn der Tötungswunsch entsteht nach seinen eigenen Angaben nicht erst in den Tagen vor der Tat.
00:17:33: Später wird Knisek immer wieder behaupten dieser Drang habe ihn bereits seit seiner Kindheit begleitet.
00:17:40: Genau darin liegt für viele die entscheidende Frage Wie konnte dieser Mann überhaupt Hafturlaub erhalten?
00:17:48: Der ehemalige Leiter des österreichischen Bundeskriminalamtes Ernst Geiger formuliert es rückblickend so.
00:17:56: Es begann eigentlich mit einem Haft-Urlaub und einer falschen Einschätzung der Gutachter, obwohl er schon wegen Mordversuchs jahrelang im Gefängnis war, stand seine Entlassung bevor – und man gab ihm Haft Urlaub!
00:18:09: Tatsächlich galt Kniesex Lebenssituation auf den ersten Blick als vergleichsweise stabil.
00:18:15: Er war verheiratet und hatte angegeben, während seines Ausgangs bei seiner Ehefrau zu wohnen.
00:18:21: Doch diese Beziehung war eher ungewöhnlich, denn seine Ehe Frau arbeitete als
00:18:25: Prostituierte.".
00:18:28: Nach der Festnahme beginnt in Österreich also eine intensive Debatte darüber wer für diese Katastrophe Verantwortung trägt.
00:18:37: Die Schuldfrage wird zwischen Justiz Strafvollzug und Gutachtern diskutiert.
00:18:42: In der Folge wird sogar eine Kommission eingerichtet, die die Gefährlichkeit verurteilter Straftäter neu bewerten soll.
00:18:50: Doch im Fall Werner Knisek gibt es Hinweise, die ihm nachhin ein viele Fragen aufwerfen.
00:18:56: Da sind etwa die Briefe an einem Psychiater in denen er schreibt erhöhte Stimmen, die ihn befallen zu töten und dass er Angst vor sich selbst habe – wir haben das zu Beginn bereits erwähnt!
00:19:06: Einnahme fällt in der anschließenden Debatte immer wieder jener des gerichtlich bestellten Psychiators Dr.
00:19:13: Ernst Hesse.
00:19:14: Kritiker werfen ihm vor, Kniesack falsch eingeschätzt zu haben.
00:19:17: Denn wäre dessen Gefährlichkeit früher anders bewertet worden hätte möglicherweise auch ein anderer Vollzug oder eine engmaschigere Überprüfung im Betracht gezogen werden können.
00:19:29: Hesse hatte in früheren Verfahren die Zurechnungsfähigkeit Kniesacks festgestellt.
00:19:34: damit galt er strafrechtlich als verantwortlich für seine Taten.
00:19:38: Eine Unterbringung in einer spezialisierten Einrichtung wurde damals nicht angeordnet.
00:19:44: Den Vorwurf einer Fehlentscheidung weist Hesse später zurück, er argumentiert, dass eine psychiatrische Behandlung oder Unterbringing während der Haftzeit Aufgabe des Strafvollzugs gewesen wäre.
00:19:56: Kniesigs frühere Strafverfahren, in denen Gerichtspsychater Dr.
00:20:00: Ernst Hesse eine wichtige Rolle spielte, schauen wir uns jetzt einmal genauer an.
00:20:04: Dazu müssen wir einen Blick auf seine ersten Jahre werfen!
00:20:08: Werneknisek wird am siebzehnten November nineteen hundertsechsundvierzig als uneheliches Kind in Salzburg buchen.
00:20:15: Er wächst mit seiner Mutter und zwei Geschwistern auf, lange Zeit hält er seinen Stiefvater für seinen leiblichen Vater.
00:20:22: Sein eigentlicher Vater ist ein deutscher Wehrmachtssoldat.
00:20:25: zu ihm hat Werner keinen Kontakt.
00:20:28: Der Mann stirbt später an den Folgen seiner schweren Alkoholabhängigkeit.
00:20:33: Die Mutter Hilde Knisek isst mit ihrem Sohn zunehmend überfordert.
00:20:38: Schon als Kind soll er massive Aggressionen gezeigt haben.
00:20:41: Gleichzeitig geht der als guter Schüler, mit dreizehn Jahren gibt seine Mutter ihn in ein Heim.
00:20:48: Doch auch dort kommt es immer wieder zu Problemen.
00:20:51: Einmal greift er einen Mitschüler an.
00:20:53: Später wird er sagen, er habe ihn töten wollen.
00:20:58: Es folgen weitere Heimaufhalte.
00:21:00: Dazwischen kehrt er immer wieder zur Mutter zurück.
00:21:07: Als Hilde Kniesig ankündigt, ihren Sohn erneut in ein Heimeinweisen zu lassen, greift der sechzehnjährige zu einem Messer.
00:21:15: Mit mehreren Stichen verletzt er seine Mutter lebensgefährlich.
00:21:19: Anschließend nimmt er Wertsachen an sich, verständigt noch Hilfe und flieht nach Deutschland.
00:21:25: Doch die Flucht dauert nicht lange –.
00:21:27: bereits zwei Tage später wird er festgenommen, nach Österreich zurückgebracht und vor Gericht gestellt.
00:21:33: Seine Mutter überlebt den Angriff.
00:21:35: Trotz allem hält sie weiter zu ihrem Sohn.
00:21:39: Sie bezahlt von ihrer Witwenrente einen Anwalt, besucht ihren Sohn im Gefängnis und unterstützt ihn so gut sie kann.
00:21:46: Knieshek wird zu einer Jugendstrafe verurteilt.
00:21:49: Die Hoffnung der Justiz lautet damals Resozialisierung.
00:21:56: Er findet keinen festen Platz in der Gesellschaft, begeht immer wieder Diebstelle und beginnt sich Waffen zu beschaffen.
00:22:09: Zehn Jahre nach dem Messerangriff auf seine Mutter kommt es zur nächsten schweren Gewalttat.
00:22:33: Am darauf folgenden Tag wird er verhaftet.
00:22:37: Ich muss sagen, allein die Vorstellung finde ich unglaublich verstörend!
00:22:40: Du öffnest die Haustür vor dir, steht ein völlig fremder Mensch und plötzlich schießt der auf dich.
00:22:45: Ohne Streit ohne Vorgeschichte, ohne jeden erkennbaren
00:22:49: Grund.".
00:22:50: Ja, genau das erinnert an das was später Familie Altreiter widerfährt... Du befindest dich in deinen eigenen vier Wänden, dort wo du dich eigentlich sicher fühlst und dann dringt jemand in dein Leben ein den du noch nie gesehen hast.
00:23:04: Und was beide Fälle gemeinsam haben?
00:23:06: die Opfer werden nicht wegen eines persönlichen Konflikts ausgewählt.
00:23:10: sie geraten zufällig ins Visier des Täters.
00:23:14: Das erinnert mich an einen Fall über dem wir bereits gesprochen haben der sich in der Schweiz zugetragen hat und der zu den schwersten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte zählt Ein ein- und dreißigjähriger dringt in einen Einfamilienhaus ein.
00:23:28: Am Ende gab es vier Tote.
00:23:30: Wenn euch der Fall interessiert, hört gern in unsere Folge Ruppers Will das Grauen aus dem Nichts
00:23:36: rein.".
00:23:36: Für den versuchten Mord an Margarete Emm wird Kniesheck neunzehnhundertdreiundsebzig zum zweiten Mal verurteilt.
00:23:45: Diesmal erhält er siebeneinhalb Jahre Haft im regulären Strafvollzug.
00:23:50: Der gerichtlich bestellte Psychiater Dr.
00:23:53: Ernst Hesse hält ihm für vollzurechnungsfähig.
00:23:56: Kniesek wird später argumentieren, dass seine Gefährlichkeit bereits damals erkennbar gewesen sei.
00:24:02: In seinem Schlusswort im Prozess von der NDR sagt er nämlich ... Dabei verweist er auf dem bereits erwähnten Brief an einem Psychiator in dem er selbst um eine Untersuchung gebeten hatte.
00:24:23: Das Bundesministerium für Justiz schreibt später, Knieshek habe sich während seiner fast siebenjährigen Haftzeit in der Justizanstalt Garsten ohne wesentliche Beanstandungen geführt.
00:24:35: Eine psychiatrische oder psychologische Betreuung sei deshalb nicht erfolgt.
00:24:50: Wenn Kniesig nach dem ersten Jänner, verurteilt worden wäre, hätte sich dieses Verbrechen wohl nicht ereignet.
00:24:58: Bruder bezieht sich dabei auf eine Gesetzesänderung.
00:25:01: Seit diesem Stichtag war die Unterbringung in einer damals so genannten Anstalt für geistige Abnormale Rechtsbrecher möglich.
00:25:09: Diese Bezeichnung wurde in Österreich übrigens erst zehntausend siebzehn abgeschafft.
00:25:14: Seither spricht man von einer strafrechtlichen Unterbringing.
00:25:22: Für Knisek galt diese Regelung der Unterbringung jedoch nicht.
00:25:25: Da seine Verurteilungen vor in Kraft treten des Gesetzes erfolgt war, konnte sie nicht rückwirkend angewendet werden – eine nachträgliche Unterbrigung im Maßnahmenvollzug war rechtlich nicht vorgesehen.
00:25:37: Mit anderen Worten selbst wenn man seine Gefährlichkeit später anders eingeschätzt hätte, konnte Kniseck nicht einfach neu eingestuft und über das Ende seiner Haftstrafe hinaus festgehalten.
00:25:49: Und für die Verantwortlichen in der Haft schien Knie-Sekt zunächst kein Problemfall zu sein.
00:25:53: Im Gegenteil, er galt als unauffälliger Hefding und fiel kaum negativ auf.
00:25:58: Teilweise stellt er sich sogar erstaunlich geschickt an – während seiner Haft konvertierte er zum Islam nach eigenen Angaben vor allem deshalb weil er dadurch statt Fleisch zusätzliche Obstportionen erhielt.
00:26:11: Zeitweise soll er das zusätzliche Obst genutzt haben um in seiner Zelle Schnaps zu brennen.
00:26:17: Jedenfalls entwickelt sich die vermeintlich harmlose Essensumstellung für ihn zu einem durchaus lukrativen Geschäft.
00:26:25: Man muss sich einmal vor Augen führen, Knisek wäre nach dem Dreifachmord womöglich einfach in seine Zelle zurückgekehrt.
00:26:33: Denn so lange er die Tat offenbar geplant hatte, so wenig scheint er über das danach nachgedacht zu haben.
00:26:40: Sein Verhalten nach dem Mord im Gasthaus fällt auf!
00:26:44: Kriminalinspektor Franz Schweiköfer, der damals zu den ersten Ermittlern am Haus der Familie Eidreiter gehört ist überzeugt.
00:26:52: Wir haben damals Glück gehabt!
00:26:53: Hätte es nicht den Tipp gegeben und hätten wir Knisek nicht erwischt, wäre er am achzehnten Jänner einfach wieder ins Gefängnis zurückgekehrt... ...und der Fall wäre vielleicht nie aufgeklärt
00:27:04: worden.".
00:27:06: Im Sommer nr.a.
00:27:08: steht Werner Kniseck vor Gericht.
00:27:10: auf den Aufnahmen aus dem Gerichtssaal sieht man ihn zwischen mehreren Justizbachbeamten.
00:27:15: Er trägt einen dunklen Anzug und ein helles Hemd.
00:27:17: Die Hände hält er vor dem Körper verschränkt, der Blick geht nach vorne.
00:27:22: Zwischen den Beamten wirkt er fast unscheinbar – eher wie ein Verwaltungsangestellter als wie der Mann über dessen Taten damals ganz Österreich spricht.
00:27:33: Bei den Verhandlungen geht es auch um die Beziehung als Teenager zu der älteren Frau, der Freundin seiner Mutter.
00:27:39: Kniesig sagt so habe sein Hang zum Sadismus begonnen.
00:27:43: Ein anderes Motiv als die Lust an Gewalt und am Töten finden die Gutachter und Ermittler letztendlich nicht.
00:27:49: Knisek selbst spricht dagegen von einem inneren Zwang, das sorgt für Empörung.
00:27:54: Die Öffentlichkeit ist außer sich.
00:27:56: Schließlich geschah die Taten während eines Hafturlaubes nur wenige Tage vor seiner geplanten
00:28:03: Entlassung.".
00:28:06: Der Fall löst in Österreich eine Debatte aus, die weit über den Prozess hinausgeht.
00:28:11: War Kniseck falsch eingeschätzt worden?
00:28:14: hätten Gutachter Gerichte oder der Strafvollzug erkennen müssen, wie gefährlich dieser Mann tatsächlich war.
00:28:20: Oder zeigt er vor allem, wie schwierig solche Prognosen sind?
00:28:25: Schließlich geht es dabei um die Frage ob ein Mensch künftig schwere Straftaten begehen wird.
00:28:30: eine Frage, die sich auch heute nicht mit letzter Sicherheit beantworten lässt feststeht.
00:28:36: im prozess selbst lässt kniesig kaum Zweifel daran das ihr töten wollte.
00:28:41: Als er auf weitere mögliche Bewohner des Hauses angesprochen wird, sagt er ... Ich hätte jeden umgebracht.
00:28:49: Dazu hätte auch die einundzwanzigjährige Untermieterin Gabriele Weh gezählt.
00:28:53: Sie überlebte nur deshalb, weil sie an diesem Tag ihre Schicht getauscht hatte und nicht zu Hause war.
00:29:02: Bevor wir zum Urteil kommen seit erst mal ihr gefragt.
00:29:06: Fast jeder von uns öffnet täglich fremden Menschen die Tür Paketboten, Handwerker, Lieferdiensten oder Menschen die einfach klingeln.
00:29:14: Die Allermeisten dieser Begegnungen verlaufen völlig harmlos.
00:29:19: Der Fall zeigt aber auch das man nie genau weiß wer vor der Tür steht!
00:29:24: Die Familie Altreiter hatte bis kurz vor der Tat noch einen Hund.
00:29:28: Viele Nachbarn sollen sich nach der Tat selbst ein Hund angeschafft oder zumindest darüber nachgedacht haben – nur nicht jeder hat die Möglichkeit dazu und möchte einen Wachhund halten.
00:29:37: Deshalb interessiert uns heute eure Meinung.
00:29:40: Öffnet ihr grundsätzlich die Tür, wenn ihr nicht wisst wer davor steht?
00:29:43: Hat sich euer Verhalten in den vergangenen Jahren verändert und gibt es bestimmte Regeln auf die ihr achtet?
00:29:50: Schreibt uns dazu eure Gedanken gerne in die Kommentare unter dieser Folge!
00:29:57: Zurück ins Jahr... Auf das Verbrechen folgt ein vergleichsweise kurzer Prozess.
00:30:03: Am vierten Juli fällt das Urteil nach nur einer halben Stunde Beratung.
00:30:09: Werner Knisek wird zur lebenslangen Haft verurteilt.
00:30:12: Zusätzlich ordnet das Gericht seine Unterbringung in einer sogenannten Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher an, jener Einrichtung die heute als forensisch-therapeutisches Zentrum bezeichnet wird.
00:30:24: In seinem Schlusswort wiederholt Kniseck noch einmal einen Satz den er bereits zuvor geäußert hatte.
00:30:38: Heute gehört Werner Kniesheck zu den am längsten inhaftierten Straftätern Österreichs.
00:30:43: Doch sein Leben soll nicht hinter Gittern enden und dafür hat er sich eine Anwälte gesucht, die weit über Österreich hinaus bekannt ist – Astrid Wagner.
00:30:54: Sie ist einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten Strafverteidigerinnen des Landes Eine Frau mit einem unverkennbaren Hang zu besonderen Mandanten Serienkillern, Inzestättern, Doppelmördern, Frauenmördern, Kindermördern.
00:31:08: Kurz gesagt zu schwer Verbrechern die sonst kaum jemand vertreten möchte.
00:31:13: Über sich selbst sagt sie ...
00:31:15: Ich hab den Hang zum anderen hin zur gestrandeten verlorenen Menschen.
00:31:22: Und wer keine Folge von Tatort Deutschland verpasst dem dürfte dieser Name bekannt vorkommen.
00:31:27: Astrid Wagner war bei uns schon einmal Thema.
00:31:30: Genauer gesagt in der Folge Jack Unterweger, Mörder Frauenheldkünstler – ein gefeierter Autor mit einem dunklen Geheimnis.
00:31:38: Anfang den neunziger Jahre erschüttert eine Serie brutaler prostituierten Mode Wien.
00:31:44: Die Opfer werden mit derselben Knotentechnik getötet!
00:31:47: Im Mittelpunkt der Ermittlung steht schließlich Jack Unterweger, ein Mann, der während einer Haftstrafe wegen Mordes zum gefeierten Schriftsteller aufsteigt und nach seiner Entlassung als Medienstar gefeiert wird.
00:32:00: Und genau in diesem Mann verliebt sich Astrid Wagner.
00:32:03: Für ihn verlässt sie sogar ihren damaligen Partner.
00:32:06: Die beiden schreiben sich Briefe.
00:32:08: Wagner besucht Unterwege regelmäßig im Gefängnis.
00:32:11: Rückblickend sagt Astrid Wagner über diese Zeit ... Es war speziell!
00:32:16: Es fühlte sich verboten an.
00:32:18: In Freiheit wäre unsere Beziehung nie so intensiv
00:32:21: geworden.".
00:32:23: Was zieht Astrid Wagner immer wieder zu Männern hin, vor denen andere Menschen Angst haben?
00:32:29: Diese Frage hat die Anwältin in einem Interview mit Bild einmal wie folgt beantwortet.
00:32:36: dass Männer, die die Regeln brechen sozusagen.
00:32:40: Die bösen, die schlimmen Jungs auf viele
00:32:42: Frauen
00:32:43: ein Faszinosum sind.
00:32:45: So war es auch damals bei mir.
00:32:48: Wobei ist es natürlich so, dass es vielschichtig ist nicht?
00:32:51: Einerseits ist es halt dieses Bad Boy, also diese Stärke, die solche Männer ausstrahlen.
00:32:58: andererseits und das war vor allem bei mir, so ist auch ein bisschen dieser Mutterinstinkt, dass man glaubt, man muss da jemanden beschützen der eine schlechte Kindheit.
00:33:08: Diese Faszination für Menschen am Rand der Gesellschaft, für Täter die andere längst aufgegeben haben hat Astrid Wagner nie losgelassen.
00:33:17: Zu ihren Mandanten zählt unter anderem auch Jose Fritzl – Der Mann, der seine Tochter über Jahre hinweg in einem Keller gefangen hielt sie missbrauchte und mit ihr mehrere Kinder zeugte.
00:33:29: Als Astrid Wagner sich für eine vorzeitige Haftentlassung des mittlerweile über- neunzigjährigen Aussprach löste das heftige Diskussionen
00:33:37: aus.
00:33:38: Fritzl sei dement, er erföhle die rechtlichen Voraussetzungen und stelle keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit dar, argumentierte sie.
00:33:46: Falls ihr da noch nicht reingehört habt den Fall findet ihr bei uns in zwei Teilen unter dem Titel der unfassbare Fall Josef Fritzel.
00:33:55: Und im Jahr twenty-fünfundzwanzig übernimmt Astrid Wagner schließlich auch die Vertretung von Werner Knisek.
00:34:01: Damit landet ein weiterer Mann auf ihrer Mandantenliste, dessen Name in Österreich seit Jahrzehnten für eines der grausamsten Verbrechen der Nachkriegsgeschichte steht.
00:34:12: Der heute neun und siebzigjährige Kniseck ist seit zwei tausend achtzehn der Justizanstalt Stein in Krems untergebracht.
00:34:19: Er wolle seinen Lebensabend in Freiheit verbringen, sagt seine Anwältin Astrid Wagner.
00:34:25: Für die Zeit nach einer möglichen Entlassung habe er bereits konkrete Pläne.
00:34:29: Unter anderem denke er an eine betreute Wohngemeinschaft für ehemalige Heftlinge nach.
00:34:35: Doch Anfang twenty-fünfundzwanzig lehnt das Landgericht Krems eine bedingte Entlassungen ab, auch eine Beschwerde gegen diese Entscheidung bleibt erfolglos.
00:34:44: Wagner kämpft weiterhin für ihren Mandanten.
00:34:47: Kniesek sei therapievillig, erhalte aber seit Jahren keine Therapie mehr – sie wolle sich dafür einsetzen ihm diese wieder zu ermöglichen!
00:34:56: Ob Werner Knisek eines Tages tatsächlich freikommt, hängt letztlich von den Gutachtern ab.
00:35:01: Nur wenn Sachverständige zu dem Schluss kommen, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht, könnte eine Entlassung überhaupt in Frage
00:35:09: kommen.".
00:35:11: Und damit steht Österreich – mehr als vier Jahrzehnte nach den Morden von St.
00:35:16: Pölten noch immer vor derselben Frage wie damals!
00:35:19: Wie gefährlich ist Werner knisek?
00:35:22: Eine Frage, auf die bislang niemand eine eindeutige Antwort geben kann.
00:35:28: Damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge angelangt.
00:35:31: Wir bedanken uns bei euch fürs Zuhören!
00:35:39: Und damit bis zum nächsten Fall.
00:35:54: Euer Mirko
00:35:55: und eure Farina!
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