BONUS Folge - IM EINSATZ - der neue Podcast
Shownotes
Wie ist das eigentlich, wenn man sein Leben lang über Mord und Totschlag berichtet? Kann man das abschütteln? Oder nimmt man die Recherchen mit ins Privatleben? Frank Schneider arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Polizeireporter bei BILD. In dieser Folge erzählt er, was ihn antreibt, was ihn besonders berührt – und warum er die Loveparade-Katastrophe von Duisburg niemals vergessen wird.
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00:00:02: Hi, da bin ich wieder.
00:00:04: Ich habe hier für ein paar Tage schon mal erzählt, dass ich was ganz Neues vorhabe aber vielleicht habt ihr das ja nicht gehört.
00:00:09: Deshalb stelle ich mich nochmal kurz vor.
00:00:12: Mein Name ist Kai Feldhaus und ich bin Reporter bei BILD und Host des neuen Podcasts im Einsatz den ihr demnächst an dieser Stelle hören könnt.
00:00:37: Im Einsatz
00:00:38: Bildreporter recherchieren Ware Verbrechen.
00:00:41: In diesem Podcast möchte ich etwas ganz Neues ausprobieren, dass es in der deutschen Two Crime-Podcast Szene so noch nicht gibt.
00:00:47: Bildreporter recherchierend Ware verbrechen und nehmen euch mit auf diese Recherche.
00:00:52: Beim Einsatz werde ich mit meinen Kollegen sprechen die an Tatorten sind, die vor Ort recherchiern, mit Zeugen oder Polizei reden und denen Menschen eine Stimme verleihen, die in der Berichterstattung oft zu kurz kommen – den Betroffenen nämlich und den Opfern!
00:01:04: Unsere Reporter sind eure Augen und Ohren eine tatortende Republik.
00:01:08: Näher dran geht nicht!
00:01:10: Beim Einsatz werden wir über topaktuelle Fälle reden, verbrechen also die gerade erst passiert sind, die Deutschland bewegen, über die alle grade sprechen.
00:01:17: Wir werden aber auch über Straftaten sprechen, die er mittlerweile schon lange beschäftigen, die aber bis heute ungelöst sind bei denen es womöglich neue Entwicklungen gibt.
00:01:24: Außerdem wird es beim Einsatz gelegentlich Einblicke in die Arbeit von Deutschlands größter Polizeiredaktion geben erfahrene Reporterinnen und Reporter von Bild die Tag und Nacht unterwegs sind, um Hintergründe zu erfahren oder darüber zu berichten.
00:01:37: Manchmal werden sie dabei auch ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern was ihr am meisten bewegt, was ihr antreibt und warum Sie diesen Job überhaupt machen.
00:01:44: Ein Beispiel!
00:01:45: Mein Kollege Frank Schneider ist seit fast dreißig Jahren bei Bild.
00:01:48: Er war da als in Paris und Brüssel Terroranschläge verübt wurden.
00:01:51: er berichtete von den Amokläufen in Erfurt, Winnenen oder Oslo.
00:01:55: Frank war immer vor Ort, immer dabei.
00:01:57: ein echtes Schlachtross das die Arbeit als Polizeireporter angeht.
00:02:02: Frank, das kann ich euch versichern, hat die eine oder andere Geschichte zu erzählen.
00:02:05: Und genau das macht er bei mir im Einsatz.
00:02:09: Ein kleiner Auszug gefällig?
00:02:10: Sein vielleicht bewegendsten Einsatz als Reporter hatte Frank Jahrzehnteinzehn, als bei der Love Parade in Duisburg einundzwanzig Menschen ums Leben kamen.
00:02:17: Sie wurden erdrückt und totgetreten im Getümmel einer völlig viel geplanten und deshalb totale überfüllten Veranstaltung auf einer ganz schmalen Rampe über die Zehntausende gleichzeitig zu einem völlig überfüllten ehemaligen Güterbahnhof gelang wollten.
00:02:32: Frank war nur wenige Minuten nach der ersten Meldung vor Ort, am Ort des Geschehens und erinnert sich so...
00:02:38: Es ist jedes Mal ein komisches Gefühl darüber nachzudenken was ich dann gesehen habe.
00:02:42: das war einfach so schrecklich das war so apokalyptisch.
00:02:45: man kann sich das gar nicht vorstellen.
00:02:46: Menschen wanken auch uns zu direkt verschmiert über langen Schuhe hütebrillen Zäune verbogen sah so ein bisschen aus wie nach einem Bombenanschlag und ich hab wirklich die ersten Sekunde auch gedacht um hast du den Knall nicht gehört weil ich wirklich dachte Da wäre eine Bombe explodiert, aber es war dann eben die Gewalt und der Druck von Menschen.
00:03:02: Diese Ereignisse bei der Love Parade haben ihn auch deshalb so bewegt weil Frank im Vorfeld der Katastrophe das gemacht hat was nur wenige Reporter rund um die erstenmals in Duisburg ausgetragene Love Parades getan haben.
00:03:12: er hat vor Ort recherchiert er hat sich die Gegebenheiten angeguckt und dabei schon ein Gefühl gehabt Das kann hier eigentlich nicht gut gehen mit so vielen Menschen.
00:03:21: dass ist alles viel zu engen und es gibt zu wenig Fluchtwege.
00:03:25: In unserem Gespräch erinnert er sich daran, wie er die Verantwortlichen schon vor dem Unglück auf seine Einschätzung angesprochen hat und wie sie seine Warnung in den Wind geschlagen
00:03:33: haben.
00:03:34: Ich glaube der größere Punkt war einfach dieses Gefühl zu haben.
00:03:37: wir haben ja Vordruppe berichtet.
00:03:38: Wir haben auch gesagt dass da stimmt was nicht, da funktioniert etwas nicht.
00:03:41: Und dieser unglaubliche Druck das muss jetzt umgesetzt werden.
00:03:43: ich war auch bei anderen Uffblätts.
00:03:44: auch in Dortmund war ja eine und dazu kommt noch ein Bohnen.
00:03:47: war sie ein Jahr vorher verboten worden weil der Polizeipräsident damals sagte Das ist zu gefährlich!
00:03:51: Das ist nicht leistbar mit den vielen Menschen.
00:03:53: Und das hatten wir alle im Ohr.
00:03:54: Ich war auch bei der Pressekonferenz vor der Lovebreak, habe diese unbequem Fragen gestellt und dann wurde noch sehr arrogant und rotzig geantwortet...
00:04:00: ...und dann gibt Frank noch einen spannenden Einblick in die Arbeit eines guten Reporters.
00:04:04: Dran bleiben nicht lockerlasten mit Kontakt besprechen damit die Wahrheit irgendwann ans Licht
00:04:08: kommt!
00:04:09: Ich glaube, das ist auch warum mein Job mir immer noch... also warum ich auch immer noch so viele Leidenschaft habe.
00:04:14: Dinge auch aufzuklären und aufzudecken.
00:04:15: Auch wirklich dahinter die Kulissen zu blicken wenn man die Kölner Silvester nachdenken zum Beispiel auch.
00:04:20: Da sind wir tagelang oder mehrere Tage angelogen worden bis dann irgendwann Polizisten sagten Wir haben die Schnauze voll.
00:04:25: Wir wollen jetzt einfach dass die Wahrheit an die Öffentlichkeit kommen Und wir dann damals dieses Einsatzprotokoll aus der Nacht gegeben haben weil wir einfach angelogen wurden.
00:04:31: Und immer sozusagen wie Dinge aufgearbeitet werden oder eben nicht aufgearbeiteten.
00:04:35: Wie gelogen wird vertuscht wird Das zieht sich ja leider wie in roten Faden auch durch Politik, durch immer Katastrophen und am Ende kommt hier immer raus.
00:04:43: Es wäre eigentlich zu verhindern gewesen und das ist etwas was ich ganz schlimm finde dass Menschen in Verantwortung da einfach so Verantwortungslos häufig sind aber am ende will es dann keiner gewesen sein und das war hier dann auch der Fall.
00:04:54: Natürlich sprechen wir nicht nur über die Love Parade Wir sprechen auch über persönliche Dinge Und die spannende Frage Wie belastend ist das eigentlich Was Reporter wie Frank in ihrer täglichen Arbeit erleben?
00:05:04: Und kann es auch sein dass man manchmal Zu nah dran ist, dass man nicht vergessen kann was man erlebt hat.
00:05:10: Absolut!
00:05:11: Es gibt ja immer diesen wunderschönen Begriff der professionellen Distanz, was das genauso sein soll, kann ich auch nicht beschreiben.
00:05:16: Man muss versuchen sich selber ein Stück weit zu schützen, das fällt einem manchmal sehr schwer.
00:05:21: und natürlich ist es auch bei Menschen unterschiedlich, das ist ja ganz normal so wenn ich Menschen treffe, manche sind einsehmpartschanäer dann nimmt man mehr Anteil auch an deren Schicksal als bei anderen.
00:05:29: Wie gesagt, gerade wenn es um Kinder geht und zum Eltern geht die ihr Kind vermissen oder getötet wurde.
00:05:33: Man hat ja manchmal das Gefühl, man kann durch seine Berichterstattung helfen mit Zeugensuche und Aufklärungen.
00:05:38: Deswegen ist man da näher dran.
00:05:40: Da fällt es einem manchmal wahnsinnig schwer sich abzukapseln oder zu sagen jetzt gehe ich mal nicht dran, wenn die anrufen weil die häufig auch von einem wissen wollen gibt's was Neues haben sie schon etwas gehört?
00:05:50: Aber man muss natürlich auch ein Stück weit aufpassen.
00:05:52: Also die Lovebreak zum Beispiel, muss ich wirklich sagen... Ich glaube das war es eins in meiner Karriere wo ich den Fehler gemacht habe und hab mir nicht auch vielleicht ein Stück weiter professionelle Hilfe mal geholt nochmal vielleicht darüber zu reden weil mir fehlen also wirklich von dem in den Tunnel rein gehen und die ersten Minuten bis ungefähr drei Stunden danach.
00:06:07: diese Zeit fehlt mehr mittlerweile dieses wiegelöscht.
00:06:11: glaube dass ist eine Schutzfunktion des Körpers.
00:06:12: ganz bewusst zu sagen Das lösche ich jetzt erstmal Es ist irgendwo vergraben im Unterbewusstsein ganz weit hinten Und ich glaube, es ist auch besser, wenn man's dann nicht wieder rausholt.
00:06:21: Ein Job in dem man sich auch mal schützen muss vor dem was man erlebt – dreißig Jahre lang!
00:06:25: Was treibt ein wie ihn an?
00:06:27: Warum tut er, was er
00:06:29: tut?!
00:06:30: Ja, ich glaube weil da etwas passieren einfach Dinge und ich versuche halt möglichst viel herauszufinden.
00:06:35: Es ist vielleicht auch dieser Jagdindustrie-Trieb einmal rauszufinden, was ist passiert, versteckt dahinter diese Ermittlungsarbeit.
00:06:41: Vielleicht schlummert er mir auch so ein ganz klein bisschen irgendwie doch dieses, ich wär auch kein vielleicht Polizist geworden oder so.
00:06:46: Das ist jetzt eigentlich gar nicht so der Fall.
00:06:47: Ich war Polizista geworden aber natürlich auch so'n bisschen dieses Ermitteln und dieses Rausfinden das ist so einen Jagdrieb den ich habe glaube ich.
00:06:54: Das finde ich sehr spannend.
00:06:55: außerdem sind hier wahnsinnig viele Menschen aus diesem Bereich aus Wettungsdiensten, Polizei und so ans Herz gewachsen.
00:07:01: Sehr, sehr viele feine Menschen kennengelernt die auch alle natürlich so eine Ader haben dafür.
00:07:05: sonst wollen sie diesen Job nicht so machen.
00:07:07: Klingt das spannend?
00:07:08: Klingt es interessant dann hört gern wieder rein.
00:07:10: Das alles und noch viel mehr gibt es demnächst hier im Einsatz.
00:07:16: Bildreporter, recherchieren wahre Verbrechen!
00:07:19: Bis bald, ich freu mich auf euch.
00:07:31: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Ihnen keine Stellungnahme geben.
00:07:35: die Ermittler gehen jedem Hinweis
00:07:36: nach.
00:07:38: Im Einsatz.
00:07:40: Bildreporter recherchieren wahre Verbrechen.
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