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„Vor Ihnen sitzt der Teufel“ Der Frauenmörder Heinrich Pommerenke

Shownotes


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00:00:01: Vor ihnen sitzt kein Mensch, sondern der Teufel.

00:00:08: Mit diesen Worten beschreibt sich der Täter unseres heutigen Falls

00:00:12: selbst.

00:00:13: Das Urteil gegen ihn gehört zu den Härtesten, die in der deutschen Justiz je verhängt wurden.

00:00:19: Sechsmal lebenslange Freiheitsstrafe dazu weitere Einzelstrafen, die sich auf insgesamt einhundertsechsundfünfzig Jahre summieren.

00:00:28: ergänzt durch anschließende Sicherungsverwahrung gehen fünfundsechzig Straftaten auf sein Konto.

00:00:35: Für achtundzwanzig davon wird er verurteilt, wegen vierfachen Mordes in zwölf Fällen wegen versuchten Mordesz außerdem wegen Versuchtervergewaltigung sexuellen Missbrauchs eines Kindes gefährlicher Körperverletzungen schwerer Raubes und räuberischer Erpressung in jeweils zwei Fällen sowie wegen schweren Diebstahls in fünf Fällen.

00:00:56: Dass diese Taten überhaupt ans Licht kommen ist am Ende nur einem Zufall zu verdanken.

00:01:02: Der Fall wird zu einem der bekanntesten der deutschen Kriminalgeschichte, auch weil der Täter über Jahrzehnte hinweg als einer der am längsten inhaftierten strafgefangenen Deutschlands gilt.

00:01:14: Nach vierzig Jahren Haft stellt genau dieser Mann einen Antrag auf Entlassung.

00:01:18: Sein Plan für die Zeit danach?

00:01:21: Er will als Wanderprediger Barfuß durchs Land ziehen und damit bleibt am Ende eine Frage, die sich nicht einfach beantworten lässt – kann sich ein Mensch wie er tatsächlich verändern?

00:01:32: oder reichen selbst vierzig Jahre Haft nicht aus, um einen Serienmörder zu resozialisieren?

00:01:40: Willkommen zu Tato Deutschland.

00:01:42: Ich bin Farina Kjemser

00:01:44: und mein Name ist Miko Kazimir.

00:01:46: Schön, dass ihr wieder mit dabei seid!

00:02:04: Wir sprechen heute über Heinrich Promarenke.

00:02:07: Die Presse nennt ihn damals Bestier in Menschengestalt, Scheusal vom Schwarzwald oder den Schrecken von Baden.

00:02:15: Mit gerade einmal dreiundzwanzig Jahren steht er vor Gericht.

00:02:19: Seine Beichte lässt selbst erfahrene Ermittler aufhorchen.

00:02:23: Er habe geplant, seventy-thausend dreihundertsiebzehn Frauen zu töten – so notzüchtigen oder zu schwängern!

00:02:32: Zu dieser Zeit lebt Pomerinke in Hornberg im Schwarzwald und führt nach außen ein scheinbar normales Leben.

00:02:39: Neben seiner Arbeit spielt der Fußball, auch mit Wolfgang Schäuble und dessen Bruder Thomas Schäube die später politische Karriere einschlagen werden.

00:02:48: Doch in derselben Region verübt er als junger Mann eine Serie von Taten, die kaum zu begreifen sind.

00:02:55: Eine dieser Taten

00:02:56: – einen Mord –

00:02:58: sticht besonders hervor!

00:03:00: Er ist so grausam und an einem so unerwarteten Ort, in einer Weise die bis dahin beispiellos ist.

00:03:07: Das es einem den Atem

00:03:08: nimmt.".

00:03:11: Heinrich Pomerenke erklärt seine Taten später so – ein Kinobesuch habe seinen Waren ausgelöst.

00:03:18: Konkret der Film Die Zehn Gebote von Cecil B. DeMille aus dem Jahr nineteenhundertsechsundfünfzig.

00:03:24: Der Film erzählt die Geschichte von Moser und im Auszug der Israeliten aus Ägypten.

00:03:29: In einer zentralen Szene tanzt das Volk um das goldene Kalb.

00:03:33: Während Moses Abwesenheit verfällt es in ausschweifende, sinnliche Feiern mit tanzenden leicht bekleideten Frauen – eine bewusst provokative Darstellung vom moralischen Verfall.

00:03:45: Und genau diese Szene habe ihn überzeugt des Frauen die Wurzel allen übelt sein!

00:03:51: Er sehe darin eine Art Auftrag, eine Mission sie zu bestrafen, sagt Pomeränke später in den

00:03:56: Verhören.".

00:03:57: Und noch am selben Abend nach diesem Kinobesuch begehrt er seinen ersten

00:04:03: Mord.

00:04:06: Doch die Vorzeichen sind schon deutlich früher zu erkennen.

00:04:11: Heinrich Pomerenke wird in dem mecklenburgischen Bendwisch bei Rostock geboren, zwei Jahre später kommt seine Schwester zur Welt.

00:04:20: Sein Vater arbeitet als Hafenarbeiter erst selten zu Hause und wenn ... dann ist er gewalttätig.

00:04:27: Er schlägt den kleinen Heinrich mit einer Lederpeitsche, misshandelt auch die Mutter.

00:04:31: Später wird berichtet und er habe sie mehrfach vergewaltigt.

00:04:35: Als der Vater in den Krieg zieht, lernt die Mutter einen neuen Mann kennen – gefahrter fällt schließlich im Krieg.

00:04:42: Pomerenkes Kindheit ist geprägt von Mangel-und Unsicherheit.

00:04:46: Hunger gehört zum Alltag.

00:04:48: Der Krieg bestimmt das Leben im Ort!

00:04:51: Als Bandwisch, ab nineteenhundertfünfundvierzig zur sowjetischen Besatzungszone wird ist Heinrich acht Jahre alt.

00:04:58: Mit zehn Jahren fällt er zum ersten Mal durch Gewalt auf.

00:05:03: Er lauert zwei Mädchen auf ihrem Nachhauseweg auf, versteckt sich hinter einem Baum und schlägt plötzlich auf sie ein.

00:05:10: Eine Nachbarin überrascht ihn und kann so Schlimmeres verhindern.

00:05:14: Pomeränkes Mutter ist abwesend – Sie kümmert sich kaum um ihre Kinder, so schildern es später die Nachbarn!

00:05:23: von einem Tag auf den anderen das Land und geht in die Schweiz ohne ihre beiden Kinder.

00:05:28: Pamarenkes Schwester kommt in ein Heim, Heinrich selbst wächst ab seinem zwölften Lebensjahr bei den Großeltern in Malchien auf einer Kleinstadt im mecklenburgischen Binnenland.

00:05:40: Er gilt als Einzelgänger bleibt zweimal sitzen und zieht sich immer weiter zurück.

00:05:46: Mit vierzehn Jahren begehrt er seine erste Vergewaltigung.

00:06:05: Pommarenke taucht zunächst unter und beginnt eine Ausbildung als Maler.

00:06:09: Doch mit siebzehn Jahren nehmen seine Taten wieder Fahrt auf.

00:06:12: Wieder sind es zwei Mädchen, wieder ist ein abgelegener Ort im Wald!

00:06:17: Eines der Mädchen versucht er zu vergewaltigen.

00:06:21: Kurz darauf ließ er aus der DDR nach Westberlin.

00:06:25: Dort wird er nach wenigen Tagen von der Polizei aufgegriffen und tatsächlich erzählt er dem Beamten, was passiert ist.

00:06:31: Er habe sich so seine Worte an einem Mädchen vergriffen.

00:06:36: Doch die Tat wurde als vergleichsweise harmlos eingeordnet – als eine Art jugendliches Fehlverhalten.

00:06:42: Sexualdelikte werden zu dieser Zeit oft nicht differenziert untersucht oder ernst genommen.

00:06:47: Pomerinke gibt an, zu seiner Mutter in die Schweiz reisen zu wollen.

00:06:51: Sie erklärt sich bereit ihn aufzunehmen – so kommt er nach Zürich, wo inzwischen auch seine Schwester lebt.

00:06:57: Er schlägt sich zunächst ins Schaffhausen als Hilfsarbeiter auf einer Kirmes durch.

00:07:01: Doch lange bleibt er nicht ruhig!

00:07:03: Nur wenige Wochen nach seiner Ankunft vergewaltigt er erneut ein Mädchen.

00:07:07: Er wird festgenommen, kommt kurzzeitig in Haft und wird schließlich für zehn Jahre des Landes verwiesen….

00:07:12: Ein grenzüberschreitender Austausch zwischen den Behörden existiert zu dieser Zeit praktisch nicht.

00:07:18: Die deutschen Behörde erfahren nichts von dieser

00:07:20: Tat.".

00:07:23: Nach seiner Ausweisung aus der Schweiz treibt sich Pomerinke zunächst im Südwesten Deutschlands herum.

00:07:37: Doch verhaftet wird er nicht wegen seiner Überfälle oder Vergewaltigungen, sondern wegen eines Einbruchs.

00:07:44: Er bricht in einen Kiosk ein und wird zu sechs Monaten Haft verurteilt.

00:07:48: Andib – mehr sieht man ihm nicht!

00:07:51: Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt etwas von seinen sexuellen Straftaten.

00:07:56: Nach der kurzen Haft in Hamburg zieht es ihn schließlich zurück in den Südwesten.

00:08:01: In Hornberg im Schwarzwald Nordöstlich von Freiburg arbeitet er als Tellerwäscher und spielt Fußball Unter anderem, wie Eingangs erwähnt mit den Brüdern Wolfgang und Thomas Schäuble.

00:08:12: Hier bleibt er.

00:08:13: Und hier beginnt die Serie von Taten, die ihn später zu einem der brutalsten Serienmörder der deutschen Nachkriegsgeschichte machen wird.

00:08:23: Bis Juni newtonsundfünfzig zieht sich eine Spur der Gewalt durch verschiedene Orte.

00:08:29: Parks, Unterführungen, Bahnhofsbereiche, Wohnungen – selbst ein Zug wird zum Tatort!

00:08:35: Mindestens dreißig Frauen werden zu Opfern seiner Angriffe.

00:08:39: Er beraubt sie und vergewaltigt sie mit äußerster Brutalität.

00:08:44: Vier von ihnen tötet

00:08:45: er.".

00:08:50: Regelmäßig geht Pommarenke ins Kino, im Februar.

00:08:53: in den letzten Jahren sieht der, wie vorhin schon erwähnt, in Karlsruhe den Film Die zehn Gebote – jeden Film, den er später selbst als Auslöser für seine Gewalt beschreibt!

00:09:03: Er spricht davon, dass ihn die Szene um das goldene Kalb geprägt habe.

00:09:07: Dass er darin eine Art Auftrag gesehen habe Frauen zu bestrafen.

00:09:12: Noch am selben

00:09:13: Abend

00:09:13: eskaliert die Situation in einem Park.

00:09:16: Gegreift er die neunvierzigjährige Hilde C an vergewaltigt sie und tötet sie indem ihr die Kehle aufschletzt.

00:09:22: Die Polizei findet die Leiche ist mit den ermittlungen bei den damals begrenzten Möglichkeiten jedoch überfordert.

00:09:29: nur ein Monat später schlägt er erneut zu.

00:09:32: In einem Wald bei Gaggenau, nahe Baden-Baden, missbraucht er die achtzehnjährige Karin Wehe und erschlägt sie mit einem Stein.

00:09:39: Ein Zusammenhang zwischen den Taten erkennt die Polizei

00:09:42: nicht.".

00:09:46: Am frühen Morgen, das ersten Juli, rattert ein Nachzug durch Süddeutschland.

00:09:52: Es ist der D-九 sechs neun – einen Sonderurlaubszug von Heidelberg ins italienische Finale Ligure an die Küste zwischen Genoa und Monaco.

00:10:02: Ein beliebtes Ziel in den Jahren des Wirtschaftswunders, als viele Westdeutsche beginnen das deutsche Wieter für sich zu entdecken.

00:10:10: In Heidelberg steigt die zwanzigjährige Dagmar K. ein.

00:10:14: Sie ist mit zwei Freundinnen unterwegs und im Urlaub doch bei der Sitzplatzreservierung ist irgendetwas schief gelaufen.

00:10:20: sie sitzt nicht bei ihren Freundinnen sondern allein in einem anderen Abteil.

00:10:25: Pomerenke schlägt sich in dieser Zeit nicht nur mit Gelegenheitsjobs durch er arbeitet auch in Bahnhofskiosken und als Schlafwagen-Kelner in Fernzügen.

00:10:35: In der Nacht vom einundrassigsten Mai auf den ersten Juni, steigt er ebenfalls in diesen Zug.

00:10:41: Irgendwann geht im Liegewagenabteil das Licht aus.

00:10:45: Pommarenke setzt sich zu Dagmar K. Kurz hinter Freiburg steht sie auf.

00:10:51: Sie will zur Toilette.

00:10:52: Der Zug rauscht mit etwa onehundertzwanzig Stundenkilometern durch die Nacht.

00:10:57: Die meisten Fraggäste schlafen.

00:11:01: Als sie den Gang entlanggeht Er lischt auch dort das Licht.

00:11:05: Kein Zufall, doch Dagmar K. merkt nicht, dass ihr der Mann aus dem Abteil gefolgt

00:11:10: ist.".

00:11:12: Und das ist alles erst der Anfang!

00:11:15: Während die junge Frau auf der Toilette ist, öffnet Pommarenke unbemerkt die Tür des Wagons.

00:11:21: Damals sind die Zugtüren noch nicht automatisch gesichert.

00:11:24: Als Dagmar-K kurz darauf den Gang betritt, stößt er sie mit voller Wucht.

00:11:30: Sie stürzt aus dem fahrenden Zug Bei hoher Geschwindigkeit hinaus auf die Gleiser.

00:11:35: In der Nähe des Haltepunkts erbringen.

00:11:38: Pommarenke zieht die Notbremse, erst einige Zeit später kommt der Zug zum Stehen.

00:11:42: Er springt ab, niemand bemerkt etwas – er läuft die Strecke entlang zurück.

00:11:46: Irgendwann findet er die junge Frau schwer verletzt aber noch am Leben.

00:11:51: Mit einem Messerstich in den Hals tötet er sie.

00:11:55: Dann zieht er den Körper vom Bahndamm hinunter zu einem Feldweg und missbraucht

00:11:59: sie.

00:12:06: Am fünften Juni wird Dagmar Kahrs Leiche gefunden.

00:12:10: Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt als Todesursache den Messerstich, die Verletzungen in Folge des Sturzes aus dem Zug sollen sich nicht tödlicher Wiesen haben.

00:12:22: Aber auch die Ermittlungen zu dieser Tat verlaufen im Sande.

00:12:26: Im Zugabteil können später keine verwertbaren Spuren mehr gesichert werden und auch die Fahrgastbefragung verläuft ins Leere.

00:12:34: Doch der Fall lässt das Land nicht mehr los.

00:12:37: Zeitweise sind Tausende Polizisten im Einsatz, sie verfolgen jede Spur prüfen unzählige Hinweise.

00:12:44: rund tausend Männer geraten ins Visier der Ermittler.

00:12:47: Die Fahndung verschlingt enorme Summen!

00:12:50: Am Ende gilt die Suche nach dem Unbekannten als eine der teuersten Ermittlungs- und Pfandungsarbeiten der Bundesrepublik Deutschland.

00:13:00: Nach dem Mord auf der Zugstrecke vergeht kaum mehr als eine Woche.

00:13:04: Da folgt bereits der nächste Mord.

00:13:06: Doch noch in den Tagen dazwischen setzt Pommarenke seine Gewaltserie fort.

00:13:12: Er schlägt immer wieder zu, bleibt für die Polizei aber ein Phantom.

00:13:17: Am zweiten Juni überfällte er in der Nähe des Bahnhochstriebberg im Schwarzwald eine zwanzigjährige Kellnerin.

00:13:24: Erschlägt sie nieder und beraubt sie.

00:13:26: Am sechsten Juni greift er in Karlsruhe zwei Frauen mit einem Messer an – beide überleben!

00:13:32: Zwei Tage später am achten Juni dringt er durch ein offenes Fenster in das Zimmer einer fünfzehnjährigen ein.

00:13:38: Er sticht ihr in den Hals, ihr Vater hört die Schreie und kann Pommarenke in die Flucht schlagen.

00:13:44: Das rettet dem Mädchen das Leben.

00:13:46: Nur einen Tag später am neunten juni schlägt der er neu zu.

00:13:50: In einem Wald zwischen Karlsruhe und Baden-Baden vergewaltigt er die sechzehnjährige Rita W Und tötet sie anschließend durch Erwürgen.

00:13:59: Zehntage vergehen Dann, am neunzehnten Juli, führte ein unscheinbarer Moment zur Wende.

00:14:09: Ein Mann betritt das Geschäft eines Schneiders in Hornberg, um einen bestellten Anzug abzuholen.

00:14:15: Doch bevor er den Laden verlässt, sagt er, er wolle noch schnell zum Friseur.

00:14:19: Seine Tasche lässt er zurück.

00:14:21: Sie fällt dem Schneider auf und wird misstrauisch öffnet.

00:14:24: Sie blickt in den Lauf eines abgesägten Kleinkalibergewehrs.

00:14:29: Der Schneider alarmiert die Polizei.

00:14:32: Als der Mann zurückkehrt, wartet sie bereits auf ihn.

00:14:35: Doch statt sich zu ergeben, flieht er!

00:14:38: Eine Verfolgungsjagd durch den Ort beginnt – am Bahnhof endet sie.

00:14:43: Die Beamten nehmen Heinrich Pomerenke fest.

00:14:46: Später wird er sagen, er habe die Verhaftung gewollt.

00:14:50: Den folgenden Verhören beginnt Pomerinke zu sprechen und was er erzählt, schockt selbst Erfahrene ermittler.

00:14:57: Er gesteht insgesamt sixty-fünf Taten.

00:15:00: Darunter vier Morde, zahlreiche Mordversuche und eine Vielzahl brutaler Übergriffe.

00:15:06: Dabei bleibt es nicht bei Geständnissen.

00:15:09: Er beschreibt die Taten detailliert – und fertigt sogar Skizzen der Tatorte

00:15:14: an!

00:15:16: Die Menschen sind schockiert.

00:15:17: Rufen nach der Todesstrafe werden laut, obwohl sie erst ein Jahrzehnt zuvor abgeschafft worden ist.

00:15:23: Doch nicht nur die Tate erschüttern das Land ... Auch das Urteil löst eine breite Debatte aus.

00:15:29: Das Land steht vor einer unbequem Frage, was ist eine angemessene Strafe für ein Täter der so viele Grenzen überschritten

00:15:37: hat?

00:15:38: Im Gerichtsaal wirkt Pommarenke regungslos – fast ängstlich!

00:15:43: Er bittet darum mit seiner Mutter sprechen zu dürfen.

00:15:45: und dann sagt er Einsatz, der sich einprägt.

00:15:49: Vor ihnen sitzt kein Mensch sondern ein Teufel.

00:15:55: Schon zuvor hatte er vor Gericht mit erschreckender Nüchternheit erklärt, Wenn ein Täter von sich sagt, vor ihnen sitzt kein Mensch sondern der Teufel und gleichzeitig davon spricht er habe geplant Zehntausende Frauen zu töten oder zum missbrauchen.

00:16:28: Was sagt so eine Sprache über sein Selbstbild aus?

00:16:31: Ist das eher Größenwahn, eine bewusste Dämonisierung der eigenen Person oder der Versuch Verantwortung an eine vermeintlich dunkle Macht abzugeben?

00:16:44: Täter etwas sagt, wie vor ihnen sitzt der Teufel.

00:16:48: Denn es ist aus meiner Sicht oft mehr als ein schräger Satz.

00:16:52: da steckt eine ziemliche Selbstinszenierung drin.

00:16:58: Er macht sich damit vielleicht größer, düsterer fast übermenschlich und das hat immer auch etwas von schaut her wie mächtig und vor allem wie furchteinflößend ich bin.

00:17:11: gleichzeitig ist es aber auch ein Trick, um Abstand zur eigenen Schuld zu bekommen.

00:17:18: Denn wer sich als Teufel beschreibt, tut erst mal so, als hätte da etwas Dunkeles von ihm Besitz ergriffen und dann klingt das weniger nach einer eigenen Entscheidung und mehr nach finsterer Macht.

00:17:32: Und psychologisch ist das oft eine Mischung ja vielleicht aus Krandiosität, aus Dramatisierung und aus Verantwortungsflucht.

00:17:43: Wichtig finde ich, so ein Satz klingt spektakulär erklärt aber erst mal gar nichts.

00:17:49: Er bleibt ein Mensch der diese Taten begannen hat und genau das darf man sich auch von einer dämonischen Sprache nicht vernebeln lassen.

00:18:00: Falls ihr euch fragt wie dieser Mensch aussieht über den wir hier die ganze Zeit sprechen Ich habe ja ein Foto aus dem Gerichtsaal vorliegen.

00:18:06: Darauf sitzt Pomeränke zwischen zwei Beamten Ein blonder schmaler fast schlachsiger junger Mann und die Haare streng nach hinten gekämmt.

00:18:15: Wenn ihr euch selber ein Bild von ihm machen wollt, dann schaut auf unserem Instagram-Kanal vorbei.

00:18:19: Da werden wir die Fotos zur heutigen Folge

00:18:21: posten.".

00:18:26: Pommarenke zeigt zwar keine Reue für seine Taten – doch die psychologischen Gutachten kommen zu einem klaren Ergebnis.

00:18:34: Keine erheblich verminderte Zurechnungsfähigkeit!

00:18:37: Eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt ist damit ausgeschlossen.

00:18:42: Drei Gutachter beschäftigen sich mit ihm, bescheinigen ihm unter anderem einen Intelligenzquotienten von onehundert Elf.

00:18:50: Onehundert siebenundseipzig Zeugen werden gehört und trotzdem steht am Ende ein bemerkenswerter Satz in der Urteilschrift.

00:18:58: Das Rätselpomarenke ist nicht gelöst worden!

00:19:04: Am XX.

00:19:04: Oktober endet vor dem Schwurgericht Freiburg nach drei Wochen Verhandlung einer der aufsehenerregendsten Prozesse der jungen Bundesrepublik.

00:19:17: Als das Urteil gegen den Dreiundzwanzigjährigen Hilfsarbeiter verkündet wird, bricht seine Mutter im Saal in Tränen aus.

00:19:24: Das Gericht erklärt Pamarenke für voll schuldfähig und verurteilt ihn zu sechs Mal lebenslang.

00:19:30: Hinzu kommen weitere Freiheitsstrafen von insgesamt einhundertsechsundfünfzig Jahren.

00:19:36: Verurteilt wird er unter anderem wegen vierfachen Mordes, in zwölf Fällen wegen versuchten Mordess sowie wegen zahlreicher weiterer schwerer Gewaltverbrechen.

00:19:47: Es ist einer der strengsten Schuldsprüche der Nachkriegszeit!

00:19:51: In der Urteilsformel fällt noch ein Begriff, der heute nicht mehr gebräuchlich ist – das Zuchthaus.

00:19:57: Damals unterscheidet das Strafrecht zwischen Gefängnis und Zuchthaus.

00:20:01: Während Gefängnisstrafen meist bei weniger schweren Delikten verhängt werden, steht das Zuchthaus für besonders schwere Verbrechen.

00:20:09: Mit deutlich härteren Bedingungen strenger Disziplin und verpflichtender Arbeit.

00:20:15: Pommarenke kommt in das Hochsicherheitsgefängnis nach Bruchsaal etwa zwanzig Kilometer nördlich von Karusruhe.

00:20:22: Dort verbringt er den größten Teil seiner

00:20:24: Haft

00:20:25: die Anstaltke damals als ausbruchsicher.

00:20:28: Andere Insassen gehen ihm aus dem Weg.

00:20:30: Pomerinke selbst eckt immer wieder an, widersetzt sich Anordnungen und landet mehrfach in der Arrestzelle.

00:20:54: Über lange Zeit gilt Heinrich Pomerenke als der am längsten inhaftierte strafgefangene Deutschlands.

00:21:01: Erst später wird dieser Haftdauer von einem anderen Heftling übertroffen.

00:21:06: Der Fallpomarenke ist damit nicht nur Kriminalgeschichte, sondern auch

00:21:10: Justizgeschichte.".

00:21:13: Im Deutschland setzt sich mit den Jahren zunehmend die Auffassung durch, dass selbst ein zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilter eine reale Chance auf Freiheit haben muss.

00:21:24: Der Staat darf bestrafen, aber er darf die Aussicht auf Rückhör in der Gesellschaft nicht vollständig nehmen.

00:21:30: In den letzten Jahren wird die Unterscheidung zwischen Zuchthaus und Gefängnis aufgehoben.

00:21:35: Seitdem kennt das Gesetz nur noch eine einheitliche Freiheitsstrafe unabhängig von der Schwere der Tat – auch die Bedeutung von lebenslang verändert sich!

00:21:44: Während es früher oft tatsächlich Haft bis zum Tode bedeutet, wird Anfang der Siebzigerjahre mit Paragraf-Cinfünfzig A die Möglichkeit geschaffen eine lebenslange Strafe nach fünfzehn Jahren zur Bewährung auszusetzen.

00:21:57: Zumindest theoretisch.

00:21:58: In neunzehunderts sieben siebzig entscheidet das Bundesverfassungsgericht – jeder Heftling muss die Chance auf eine Rückkehr in die Freiheit haben.

00:22:05: und genau hier beginnt die eigentliche Debatte!

00:22:09: Auf der einen Seite steht die Schwere der Schuld, die Brutalität der Taten.

00:22:13: Das Entsetzen der Öffentlichkeit das Leid der Opfer und ihren Angehörigen.

00:22:18: Auf der anderen Seite steht ein Rechtsstaat, der sich gerade daran messen lassen muss wie er mit den schlimmsten Tätern umgeht.

00:22:26: Aus den ursprünglich verhängten sechsmal lebenslange Zuchthausstrafen werden im Zuge gesetzlicher Änderung schließlich zu lebenslang Gesamtfreiheitsstrafe ergänzt durch Sicherungsverwahrung.

00:22:37: Doch für die Presse und die Öffentlichkeit ist Pommarenke ein Monster.

00:22:42: Macht man es sich damit vielleicht ein bisschen so einfach?

00:22:44: Und gibt es aus psychologischer Sicht Täter, bei denen Resozialisierung tatsächlich an Grenzen stößt?

00:22:50: was denkst du Sven?

00:22:53: Klar dass Leute bei so einem Täter irgendwann sagen das ist ein Monster emotional völlig nachverziehbar.

00:22:59: solche Taten sind so grausam dass man denjenigen innerlich gerne aus der Menschheit rausschieben will.

00:23:07: Das entlastet erstmal.

00:23:08: Und das Problem ist, in dem Moment, in den wir Monster sagen hören wir oft auf zu verstehen dann wirkt es als hätte alles mit uns, mit Biografie und Gewaltgeschichte mit Persönlichkeitsentwicklung gar nichts zu tun.

00:23:24: und genau das stimmt eben nicht.

00:23:26: solche Täter fallen in der Regel nicht vom Himmel Täter, bei denen Resozialisierung auch an echte Grenzen stößt.

00:23:35: Gerade bei schweren Gewalt- und Sexualstraftättern vor allem wenn über Jahre immer wieder ähnliche Muster auftauchen Wenn kaum Mitgefühl da ist und die Gefahr sehr hoch bleibt muss man sehr nüchtern sein.

00:23:48: Da reicht dann kein schönes Narrativ einer Bekehrung.

00:23:53: Und auch dann ist es psychologisch sinnvoll von einem Menschen zu sprechen Weil nur dann kann man ernsthaft einschätzen, wie gefährlich jemand ist und ob Veränderung auch realistisch ist.

00:24:07: Der ehemalige Bruchsaler Gefängnischef Preuska übt später scharfe Kritik am Umgang mit Pomerenke und sagt in einem SWR-Interview ... Das ist Vernichtung, kein Hinführen in die Freiheit!

00:24:20: Mit den Jahren verändert sich das Bild Pomerenkis – zumindest äußerlich.

00:24:25: Aus dem Schmächtigen blonden Dreiundzwanzigjährigen wird ein alter Häftling mit weißem Bart schlechten Zähnen und einem Körper den Jahrzehnte Haft gezeichnet haben.

00:24:36: Er wirkt wie ein Einsiedler, der Bart verdeckt fast sein ganzes Gesicht – auch innerlich scheint sich etwas zu verschieben!

00:24:44: In den späteren Haftjahren wird Pomeränke zutiefst religiös.

00:24:48: Er liest fast nur noch die Bibel, singt im Gefängnis Korkirchenlieder und spricht davon nach einer möglichen Entlassung als Wanderprediger Barfuß durchs Land zu ziehen.

00:24:58: Dann wieder entwirft er ganz andere Pläne.

00:25:01: Mal will er Schnecken und Fische züchten, mal träumt er von einem Bauernhof den er zu einem alten Weisenheim umbauen würde mit Platz für alleinerziehende Mütter sogar mit einem

00:25:11: Tierheim.".

00:25:14: Sven das wirkt ja jetzt erstmal ziemlich irritierend!

00:25:17: Ist es eine echte Wandlung?

00:25:19: Was denkst du?

00:25:20: oder eher eine Art Warn- oder schlicht das Überlebensprogramm eines Mannes der Jahrzehnte in einer neuen Quadratmeterzelle

00:25:27: verbringt?!

00:25:28: So

00:25:30: eine angebliche Wandlung in Jahrzehnte langer Haften muss man sich erstmal sehr vorsichtig anschauen.

00:25:37: Also Menschen in so einer Extremsituation brauchen natürlich irgendetwas, woran sie sich innerlich orientieren und festhalten können.

00:25:47: Und Religion kann da unglaublich wichtig werden weil es gibt einfach Haltstruktursinn und vielleicht manchmal auch... die Möglichkeit, ihre eigene Geschichte in ein anderes Bild zu stellen.

00:26:02: Das heißt aber noch lange nicht, dass sich jemand im Kern wirklich verändert hat.

00:26:07: Es kann echte Entwicklung drin stecken Aber es kann genauso gut Ein psychisches Überlebensprogramm sein Also eine Art inneres Konstrukt Damit man diese Enge, diese Isolation und diese Jahrzehnte überhaupt aushält.

00:26:20: Wenn jemand dann vom Wanderprediger redet oder vom Bauernhof, dann klingt das oft nach einer neu erfundenen Identität.

00:26:29: Nach einer Figur mit der das eigene Leben besser auszuhalten ist und entscheidet es deshalb nicht wie glaubwürdig oder wie rührend das klingt.

00:26:38: Entscheidend ist ob sich die wirklich tiefen Muster verändert haben Gewalt Macht Kontrolle Sexualität Empathie.

00:26:46: darauf kommt

00:26:47: es an Und ein Umstrittner noch dazu.

00:27:14: Denn draußen wächst der Widerstand!

00:27:16: Der damalige Baden-Württembergische Justizminister Thomas Schäuble, Bruder von Wolfgang Schäuble, sagt öffentlich im Radio, dieser Mann dürfe nie wieder freikommen.

00:27:27: Jener Mann, mit dem er eins den Hornberg Fußball gespielt hat.

00:27:31: Bei seinem ersten Freigang nach Jahrzehnten betritt Pomeränke eine Wiese.

00:27:35: Er kniet sich hin, beugt sich nach vorn und drückt sein Gesicht ins nasse Gras.

00:27:40: Er atmet tief ein!

00:27:42: Der Pfarrer fragt scherzhaft ob er Muslim geworden sei?

00:27:46: Pomarenke antwortet leise, weißt du eigentlich wie nasses Gras riecht?

00:27:54: Danach gehen sie in eine Kirche.

00:27:56: Jahrzehntelang hat er sie nur aus der Ferne gesehen durch Gitteheimdurch.

00:28:00: Jetzt steht er im Kirchenschiff.

00:28:03: Wenn er eines Tages freikommt heißt es später.

00:28:07: Dann würde ihr als erstes hierher zurückkehren.

00:28:12: Während Pomarenkel diese ersten Schritte außerhalb der Mauern macht wird sein Fall längst auf einer anderen Ebene verhandelt.

00:28:20: Im Mai deklariert das Bundesverfassungsgericht, dass es mit der Menschenwürde unvereinbar ist, die Chance auf Freiheit auf einen von Sichtum und Todesnähe gekennzeichneten Lebensrest zu reduzieren.

00:28:33: Nach vierzig Jahren Haft stellt Pomerenke über sein Anwalt Hannes Linke mehrere Anträge auf Freilassung.

00:28:40: Seit Jahrzehnte gilt seine Strafhalz verbüßt – trotzdem bleibt er im Gefängnis!

00:28:46: Im selben Jahr entscheidet die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Karlsruher, seinen Antrag auf Aussetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe abzulehnen.

00:28:56: Die Begründung?

00:28:57: Von dem inzwischen dreiundsechzigjährigen Gehe weiterhin Gefahr aus.

00:29:01: Eine Entlassung sei nicht verantwortbar und genau an dieser Stelle wird es schwierig.

00:29:06: Wir wollen die Frage mal an euch weiterleiten Wie würdet ihr in so einem Fall entscheiden?

00:29:12: soll ein Täter wie Heinrich Pomerenke trotz der Schwere seiner Verbrechen grundsätzlich die Chance auf eine spätere Entlassung haben, wenn bestimmte rechtliche Voraussetzungen erfüllt sind oder meint ihr das es Fälle gibt in denen eine dauerhafte Inhaftierung notwendig ist.

00:29:27: Wie lange darf lebenslang sein?

00:29:30: Schreibt uns diese Gedanken gerne in die Kommentare hier bei Spotify oder unter unseren Instagram-Post zur heutigen Folge!

00:29:41: Einer möglichen Freilassung stehen nicht nur Gutachten, Gerichte und Strafvollstreckungskammern im Weg sondern auch die Angehörigen der Opfer.

00:29:49: Und eine Öffentlichkeit für die der Gedanke an Pommarenkes Freilassung kaum erträglich ist.

00:29:54: Der Bruder eines Mordopfers sagt sinngemäß Dieser Mann dürfen nie wieder freikommen.

00:30:00: Für viele ist jede Diskussion darüber keine Frage des Rechtsstaats Sondern eine Zumutung.

00:30:05: Noch zwei tausend vier stellen Gutachter bei Pomeränke eine wache Sexualität fest und warnen vor einem möglichen Rückfall.

00:30:14: Und auch Pomerinkel selbst scheint zu begreifen, wie aussichtslos sein Wunsch nach Freiheit ist.

00:30:20: Er sagt, ich möchte nicht entlassen werden wenn die Frauen von mir schreien davon laufen

00:30:25: müssen.".

00:30:28: Das klingt wie das Eingeständnis eines Mannes der ahnt dass Selbstfreiheit ihn nicht mehr in ein normales Leben zurückführen würden.

00:30:35: Und gleichzeitig bleibt eine andere Frage.

00:30:38: Hat der Staat überhaupt ernsthaft versucht, ihn auf ein Leben in Freiheit vorzubereiten?

00:30:43: Im Fall Pomerenke findet sich kein Gutachter, der bestätigen will, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht.

00:30:49: Über Jahrzehnte erhält er kaum psychologische Betreuung – keine kontinuierliche Therapie!

00:30:54: In einigen Berichten ist von gerade einmal rund twenty-fünf Therapiestunden die Rede.

00:30:59: Das Baden-Württembergische Justizministerium verweist zwar darauf, dass Pommarenke Therapien teilweise selbst abgelehnt habe.

00:31:06: Aber das führt in ein Dilemma!

00:31:08: Ohne Therapie keine positive Sozialprognose.

00:31:12: Ohne positive Sozialpognose?

00:31:14: Keine Lockerung und ohne Lockerungen keine echte Chance auf Resozialisierung.

00:31:19: Sven wie siehst du diesen Kreislauf?

00:31:22: Das ist wirklich ein ziemlich harter Kreislauf also ohne Therapie meist keine positive Prognose.

00:31:30: Ohne positive Prognoße gibt es keine Lockerungen im Gefängnis, ohne Lockerung wiederum hat man kaum eine echte Chance zu zeigen dass man draußen auch wieder klarkommen könnte.

00:31:42: und genau darin liegt dann auch ein Dilemma weil Resozialisierung funktioniert ja nicht bloß im Kopf.

00:31:49: sie braucht einfach Erprobung Beziehung Rückmeldung oft auch schrittweise übergänge.

00:31:54: und wenn jemand jahrzehntelang im Wesentlichen nur weggesperrt wird, bleibt am Ende eben genau die Frage offen, die man beantworten müsste.

00:32:03: Nämlich wie würde sich dieser Mensch eigentlich in Freiheit verhalten?

00:32:07: Gibt es eine echte Einsicht?

00:32:10: Man muss aber auch sagen, wenn ein Tätertherapien kategorisch ablehnt macht das dem System schwerer.

00:32:18: Der Staat kann zwar Angebote machen, aber er kann innere Veränderungen nicht erzwingen und auch einen therapeutischen Prozess nicht

00:32:26: erzwingen.".

00:32:28: War das damals so hinnehmbar?

00:32:29: Und wie würde man ein solchen Fall heute beurteilen?

00:32:35: Damals war der Strafverzug natürlich deutlich stärker auf Erwahrung ausgerichtet als heute.

00:32:41: Heute würde man so ein Fall wahrscheinlich früher enger Und auch strukturierter begleiten und trotzdem bleibt heute bei solchen Tätern die Grundfrage brutal schwer.

00:32:53: Wie viel Risiko kann eine Gesellschaft tragen, wenn es um Schwerste-, Gewalt- und Sexualdelikte geht?

00:33:02: Auch als sich sein Gesundheitszustand verschlechtert, bleibt einer Entlassung aus Sicht der Gutachter zu riskant.

00:33:08: Pommarenke erkrankt an Nierenkrebs – die Ärzte geben ihm nur noch wenige Jahre.

00:33:13: Doch kommt er nicht frei!

00:33:16: So wird er in den folgenden Jahren zum Inbegriff des Langzeithäftlings.

00:33:21: Ein Mann, dessen Strafe auf dem Papier längst als verbüßt gilt, der aber dennoch im Gefängnis bleibt.

00:33:28: Aus vierzig Jahren Haft werden schließlich neunundvierzig.

00:33:32: Während viele zu lebenslanger Haftverurteite nach deutlich kürzerer Zeit entlassen werden, bleibt Pommarenke weiter hinter Gittern.

00:33:41: Lebenslang bedeutet in Deutschland oft nicht Wort wörtlich Lebenslang In Ausnahmefällen aber eben doch.

00:33:57: Er ist mittlerweile schwer erkrankt, leidet unter Diabetes und Leukämie.

00:34:01: Doch auch dort wird er nicht in ein Therapie-Programm aufgenommen.

00:34:06: Pomerenke scheint zu wissen, dass seine Zukunft nicht mehr in Freiheit liegt.

00:34:11: Er spricht vom Leben nach dem Gefängnis Als meine er damit nicht mehr die Welt draußen, sondern ein Leben nach dem Tod.

00:34:21: In seiner religiösen Sprache hofft er auf einen Ort wo es keine Schuld und keine Tränen mehr

00:34:27: gibt.".

00:34:30: Mit den Jahren legt sich Heinrich Pomerenke in der Haft ein kleines Überbrückungsgeld zurück.

00:34:35: Als Hofpfleger verdient er sich rund tausend sechshundert Euro – gedacht für den Fall dass er eines Tages das Gefängnis verlässt.

00:34:42: Doch dazu kommt es nicht!

00:34:45: Am siebenzwanzigsten Dezember, zwei-tausend acht, stirbt Pommarenke im Alter von seventy-einen an den Folgen seiner schweren Krankheit.

00:34:53: Zu diesem Zeitpunkt sitzt er seit neunundvierzig Jahren ununterbrochen in Haft länger als jeder andere Gefangener in Deutschland.

00:35:01: Das Geld das für einen Neuanfang gedacht war wird am Ende für seine Beerdigung

00:35:05: verwendet.

00:35:10: Ein Fall der sich in die deutsche Kriminalgeschichte eingebrannt hat Nicht nur wegen seiner Länge, fast fünfzig Jahre Haft sondern vor allem wegen der Taten die am Anfang stehen.

00:35:21: Vier Frauen werden ermordet weitere Opfer überleben schwer verletzt und schwer traumatisiert.

00:35:27: eine Serie von Verbrechen die innerhalb weniger Monate einen ganze Region in Angst und Schrecken versetzt.

00:35:33: Eine Brutalität Die selbst erfahrene Ermittler kaum begreifen können Und ein Täter der von sich selbst sagt Vor ihnen sitzt kein Mensch Sondern der Teufel.

00:35:44: Heinrich Bomarenke bleibt aber nicht nur einer der bekanntesten Serienmörder der Bundesrepublik.

00:35:49: Sein Fall steht auch für eine Zeit, in der das Land lernen musste mit Verbrechen umzugehen, für die es keine einfachen Antworten

00:35:57: gibt.".

00:35:59: Und damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge!

00:36:02: Ein großes Dankeschön an unseren Experten dem Berliner Facharzt für Psychotherapie Dr.

00:36:07: Sven Steffes Holländer.

00:36:13: Das Kript dieser Ausgabe hat Ariane Werner erstellt.

00:36:16: Recherchiert mit Artikel und Videos der ARD, SWR, Stern, Spiegel, Kölnerexpress, Süddeutsche Fokus Hamburg am Morgenpost, Hamburger Abendblatt, FAZ, Tatztagespiegel Welt-und Bild.

00:36:30: Aufnahme Farina Kirmse Schnitt Zora Alba Postproduktion durch schwarze Audio Berlin.

00:36:37: Damit bis zum nächsten Fall Euer Mirko

00:36:40: Und eure Farina.

00:36:42: Ciao ciao.

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